Das ist das erste Bild, besser: Das war das erste Mal, dass ich einen Pinsel in die Hand genommen habe … wie gut ich mich erinnern kann. Mit jeder Faser mich erinnern kann.
Ich hatte, aus den tiefen des Kellers, die alte Fotomappe hervorgekramt. Ende der 80er. Die Zeit, der ich mich der Fotografie und Kollagen gewidmet hatte … und meine Zeit, noch mit Ghettoblaster bewaffnet, stundenlang im dunklen, warmen Rot des Labors verbracht habe. Dieses eine Foto – zusammengekauert, verloren oder mich selbst haltend – finden wollen.
A l l e i n. M u t t e r _ S e e l e n _ A l l _ e i n.
Ein mir so bekanntes Gefühl. Bodenlos tief und alles umfassend. Herzzerreißend. Bis zur vollkommenen Auflösung … allein schon wenn ich das Wort höre, lese, fängt der Boden an zu wanken.
Eine Kopie davon in der Mitte eines 70×100 Karton platziert, alle schwarze Farbe die ich da hatte (unterschiedliche Farrow&Balls-Töne, Lack …) um mich herumgestellt. Und Los: Kreisen, einer nach dem anderen, kraftvoll und schwer, der embryonale Form einen Halt geben, sie begrenzen, einhüllen … die Grenzen auflösen, verwischen, verschmelzen in einem warmen tiefen Schwarz. Die Unendlichkeit eines warmen Schwarzes war mir schon immer Trost. Ich erinnere mich wie mein Körper sich anfühlte, wie gut mir diese Körperliche im Malen gefiel, dieses mich als Körper wahrnehmen und mich gleichzeitig zu vergessen. Im Kreisen. Im Tun.
„Was, wenn es die Bewegung gibt vom Allein sein ins All_ein(s)_sein? Was, wenn das all_ein_sein ist? Verbunden mit allem, nicht getrennt von allem? … und die Mutter_Seelen alle ein(s) sind? Was, wenn wir immer gehalten sind? Gerade, wenn wir zu_Grunde gehen? Was könnte uns mehr halten denn der Grund? …“
Schreiben, schnell, fast atemlos mich den Worten widmen … immer im Kreis … sie auseinandernehmen und neu setzen, verstehen, stehen lassen … schreiben … immer im Kreis … zum Kern vordringen … nicht mehr denken, nur noch schreiben, unkenntlich fast, der Hand ihren freien Lauf lassen … mich verlassen … all_eins_sein.
Damit hat es angefangen … und die Frage: Ist es möglich diesen „Shift“, diese Bewegung erlebbar zu machen? … auf einer Ausstellung vielleicht.
Dieses Wie treibt mich gerade um.
