Ein Jahr und ein Tag …

„Ein Jahr und ein Tag, dann weißt du ob etwas taugt.“ Das hat mein, leider verstorbener, Therapeut immer gesagt. Einer der Sätze von ihm den ich tief in mir trage. Ein Jahr und ein Tag … ganz gleich ob es um eine wilde Spinnerei, einen Arbeitsplatz, eine Liebe oder was auch immer geht. Das heißt noch nicht, dass es dann läuft, Geld abwirft oder Erfolge in der Welt sichtbar sind; doch dass es sich lohnt dranzubleiben.

Vor ungefähr einem Jahr habe ich mein Herzensprojekt verlassen. War auf einmal Raum da, Raum und Zeit die letzten Jahre zu verarbeiten und vor allem Raum und Zeit um zu sehen was da nun Neues wachsen möchte. Oder was längst da ist und nur noch nicht sichtbar. Wie ich leben will. Jetzt. Mit was ich meine Zeit verbringen möchte. Was mich rockt und begeistert. Was ich kann und will. Und: Ob es sowas wie einen Kern gibt? Eine Essenz? Was mir vielleicht gefehlt hat in den letzten Jahren … was ich beitragen kann, was ich zu geben habe … Fragen über Fragen.

Und hey, bei all dem Wundervollen das ich erleben durfte im letzten Jahr _ eines der Schönsten wohl das Gefühl gehalten zu sein, umgeben von Menschen die an mich glauben auch wenn er mir abhanden gekommen war, dieser Glaube _ es war nicht immer leicht.

Was ich weiß ist, dass ich es genieße einzutauchen, abzutauchen … in vage Ideen bei denen es so ein aufregendes Gefühl gibt von „da ist ein Spur die es zu verfolgen lohnt“, „da ergibt sich was Neues, ein neuer Blickwinkel, ein Zusammenhang der vorher nicht erkennbar war“. Überhaupt „etwas in die Welt bringen“, Entwicklungen begleiten, die Entstehung von etwas … ein Bild das nach und nach Gestalt annimmt, ein Gedanke der sich formt und sagbar wird, Sinn macht, Worte die aufblitzen und zu Poesie werden

…und wenn all das in Resonanz geht. Mit anderen. Mit dem Zeitgeist. Mit der Welt.

Es gab Momente, da hatte ich das Gefühl von vollkommenem Stillstand. Und wurde dann daran erinnert, dass mir noch vor einem Jahr „das kreieren, die Kunst“ so gefehlt hat. Und jetzt male ich. Hatte meine erste Ausstellung, plane die nächste … und bewege zwei ganz wunderbare Projekte mit der wunderbaren Frau Osterburg. Ich hab Peter und Florian getroffen. Ja, wir machen (wieder) Musik. Ich hab den ersten Lehrauftrag für 2026 angenommen … und wenn ich so auf mein Leben schaue, dann haben sich die aufregendsten Projekte _ die, die mich erfüllt haben oder gar meinem Leben eine Wendung gegeben haben _ immer irgendwie ergeben. Mein Telefon hat geklingelt und irgendjemand hat mich eingeladen mich in ein neues Feld zu begeben. Oder eine Vision war so stark, so klar, dass es gar nicht anders ging als sie in die Welt zu bringen.

Schaun wir mal. Ich freu mich schon.